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Was kann bzw. muss man tun, wenn das Bauunternehmen insolvent ist

Wenn das Bauunternehmen, das einem den Traum vom eigenen Heim erfüllen soll, in die Insolvenz geht, ist das der absolute Supergau. Es besteht aber auch kein Grund zur Panik, denn die wäre der absolut schlechteste Ratgeber in einer solchen Situation.

Oberster Grundsatz: Ruhe bewahren!

Wer bei einer Insolvenz des Bauunternehmens die Nerven verliert, macht schnell Fehler, die richtig teuer werden können. Sie sollten insbesondere nicht in blinden Aktionismus verfallen, sondern Ruhe bewahren! Jetzt ist kühler Kopf gefordert!

Bauträger oder Generalunternehmer?

Wenn Sie auf einem eigenen Grundstück mit einem Generalunternehmer (“Hausbaufirma”) bauen, sind Sie Eigentümer des Grundstücks und der darauf befindlichen Immobilie (auch wenn die ggf. noch nicht fertig gestellt ist). Das ist rechtlich eine andere Situation als wenn Sie Haus und Grundstück von einem Bauträger erwerben, denn da werden Sie in der Regel erst Eigentümer der Immobilie, sobald diese fertiggestellt und übergeben ist.

Das Insolvenzrecht ist kompliziert!

Die Insolvenz eines Bauunternehmens bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Bau nicht weitergeht, denn das Insolvenzverfahren soll in erster Linie dazu dienen, dass das Unternehmen weiter arbeiten kann. Erst wenn der Insolvenzverwalter feststellt, das das nicht möglich ist. wird er das Unternehmen liquidieren. Bis dahin laufen alle (Bau-)Verträge unverändert weiter.

Das Insolvenzverfahren folgt bestimmten Regeln und Zeitabläufen. Als Bauherr haben Sie keine Möglichkeit, diese Abläufe zu beschleunigen. Ihnen bleibt da leider nicht viel anderes, als abzuwarten.

Was kann man tun, wenn sich eine Insolvenz abzeichnet?

Dass ein Bauunternehmen gf. kurz vor der Insolvenz steht, merkt man meistens an der Stimmung auf der Baustelle und dem Forrgang der Arbeiten. Kommt es zu Verzögerungen, kann natürlich auch mal schlechtes Wetter o.ä. schuld sein, aber schnell sind Bauverzögerungen eben eher eine Folge von nicht bezahlten Rechnungen. Und wenn Bauarbeiter und Subunternehmer beispielsweise aufgrund nicht bezahlter Rechnungen keinen Lohn mehr bekommen, merkt man das auf einer Baustelle. Da kann man in einem “vertrauensvollen Gespräch” schnell mehr erfahren.

Sollte sich eine Insolvenz abzeichnen, kann man einiges tun, aber eines nicht: einfach den Bauvertrag kündigen, denn eine Insolvenz allein ist noch lange kein Kündigungsgrund. Allerdings sollten Sie sich daran machen, eine Bestandsaufnahme zu machen UND einen Fachanwalt aufzusuchen, denn eines ist sicher: ohne fachkundigen Rechtsbeistand können Sie schnell Fehler machen, die richtig teuer werden können.

Beauftragen Sie einen Bausachverständigen, der den aktuellen Bautenstand (und dessen Qualität/Ausführung dokumentiert). Hier geht es vor allem darum festzustellen, ob der Bautenstand dem Stand der (bezahlten oder noch offenen) Rechnungen entspricht. Bauunternehmen, die kurz vor der Insolvenz stehen, schicken gerne Rechnungen raus, bevor der vereinbarte Bautenstand tatsächlich erreicht ist. Hier geht es darum, nicht für Bauleistungen zu zahlen, die der Bauunternehmer gar nicht erbracht hat.

Selber weiterbauen? Keine gute Idee...

Auf der Baustelle tut sich nichts mehr, aber Ihnen sitzt die Zeit im Nacken? Da könnte man einfach allein weiterbauen oder ein anderes Bauunternehmen beauftragen. Stimmt, aber das wäre einer der schlimmsten Fehler, die man als Bauherr überhaupt machen kann. Denken Sie daran, dass die Insolvenz nicht den Bauvertrag beendet. Wenn Sie einfach selbst weiterbauen, wird der Insolvenzverwalter ggf. Schadensersatz fordern, weil sie damit der Baufirma die Möglichkeit nehmen, die Bauleistungen ordnungsgemäß zu erbringen - und bezahlt zu bekommen.

Wenn Sie befürchten, dass Ihr Bauunternehmen demnächst “in die Pleite rauscht” gehen Sie wie folgt vor:

  • suchen Sie sich einen Fachanwalt, der Sie in Ihrem Interesse berät
  • beauftragen Sie einen unabhängigen Sachverständigen mit einer Bestandsaufnahme

Wenn Ihr Bauunternehmen bereits Insolvenz angemeldet hat, gehen Sie genau so vor. Handeln Sie vor allem nicht eigenmächtig - auch wenn es schwer fällt.

>>Thema Baurecht>>

Olaf Varlemann (2016)

Praxistipps und Verbraucherinformationen zum Thema Hausbau. Hier finden Sie Informationen dazu, was Sie beim Neubau einer Wohnimmobilie beachten sollten.

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